Hinter der Theke stand Erika, die mit ihrer herzlichen Art nicht nur Brot und Butter verkaufte, sondern auch ein gutes Stück Lebensfreude.
Gerade war sie im Begriff, den neuesten Dorftratsch – wohldosiert zwischen warmen Leberkäse und Semmeln – weiterzugeben, als ihr Blick durch das Schaufenster fiel. Und da stockte ihr kurz der Atem: Vor dem Laden hielten zwei weiße Esel, als wären sie einem Märchenbuch entsprungen.
Ohne zu zögern rief sie den verdutzten Kunden zu: „Ich bin gleich wieder da, passt’s bitte kurz auf die Kasse auf!“ Schon stürmte sie hinaus, ihr Lächeln fast so breit wie die Zeinrieder Straße. „Na, seid’s ihr die neuen Touristenführer von Gleiritsch?“, scherzte sie, während sie vorsichtig über das seidige Fell der Tiere strich.
Die beiden schnaubten zufrieden, als hätten sie verstanden, dass ihnen soeben der inoffizielle Dorfladen-Segen erteilt wurde.
Ihre Besitzer, Gäste des Zeltplatzes bei Kroau, lachten herzlich und erklärten, dass sie mit ihren tierischen Begleitern das Dorf erkunden.
Erika aber war überzeugt: „Wenn’s euch wieder her verschlägt – schaut’s unbedingt wieder eina!“
So wurde dieser Vormittag im Dorfladen nicht allein wegen frischen Brots und knackiger Äpfel in Erinnerung behalten, sondern auch als jener Tag, an dem zwei weiße Esel Gleiritsch einen Hauch von Märchenzauber verliehen – und Erika die wohl ungewöhnlichsten „Kunden“ ihrer Laufbahn begrüßen durfte.